Unternehmen, Geschichte und Philosophie

Nach dem 2. Weltkrieg

Totale Zerstörung und Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg

Es dauerte nur wenige Minuten.
Dann lag alles in Rauch und Trümmern. Alles, was Generationen errichtet hatten, wurde in der Nacht zum 4. Dezember 1943 vernichtet. Ein Luftangriff mit Brand- und Sprengbomben zerstört die gesamte Innenstadt Leipzigs. Auch die Gärtnerei in Holzhausen, während der Kriegszeit zur Versorgung des Großbetriebes aus dem Boden gestampft, blieb nicht verschont.
Doch Alfred Hanisch fand den Mut zum Weitermachen. Sein Verantwortungsgefühl für die Tradition des Hauses Hanisch und für die Mitarbeiter war ungebrochen. Mit den Überlebenden wurde in Holzhausen provisorisch weitergearbeitet, und nach wochenlanger Raumsuche konnte im Januar 1944 in der Gottschedtstraße notdürftig ein Blumengeschäft eröffnet werden.
Es gab 40 Mitarbeitern Arbeit und Brot. Und es spendete in einer Zeit von Not und Schrecken Trost und Freude und Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Mit der Besatzung durch die Sowjets kam dann eine noch schwierigere Zeit auf die Firma zu. Alfred Hanisch wurde als Gärtnereibesitzer und Geschäftsmann mehrfach verhaftet, jedoch immer wieder freigesprochen. Es gab laufend Anträge auf Verstaatlichung. Wer mochte da noch an eine weitere Zukunft an traditionsreicher Stätte glauben...

Trotz der quälenden Bedrängnisse und wirtschaftlichen Schwierigkeiten hatte Alfred Hanisch 1947 die Kühnheit und den Mut, die Idee eines neuen und größeren Blumenhauses zu verwirklichen. Die Beschaffung des nötigen Baumaterials war unvorstellbar schwierig, die Währungsreform nach einjähriger Bauzeit zwang fast zur Kapitulation.
Doch unendliche Mühe, Improvisationstalent und rastlose Arbeit machten das Unmögliche möglich: Am 2. Juli 1949 öffneten sich die Türen des neuen Hauses am Augustusplatz, Ecke Grimmaische Straße. Elf Schaufenster erstrahlten im Glanz der modernen Beleuchtung. Ganz Leipzig war auf den Beinen, um dieses Aufbau- und Blumenwunder inmitten der Zerstörung zu bestaunen.
Der florierende private Betrieb mit 150 Mitarbeitern und über 2000 qm Arbeitsräumen konnte den Funktionären nicht ins sozialistische Bild passen. Ständig gab es Versuche, ihn zu verstaatlichen. Nur die Schwierigkeit, einen so großen und komplizierten Spezialbetrieb zu lenken, hielt die amtlichen Stellen von der sofortigen Übernahme ab.
Doch die Enteignung würde kommen. Diese Erkenntnis zwang Alfred Hanisch zum schwersten Entschluß seines Lebens und zum entscheidendsten in der bis dahin 119jährigen Geschichte des Unternehmens: Er bereitete die Flucht in den freien Westen vor.
Zurücklassen mußte er nicht nur die Heimat, sondern auch Teile der Familie, Freunde, den in Jahrzehnten aufgebauten Kundenstamm und die in Generationen geschaffenen Firmenwerte. Nie wieder konnte er seine Heimat betreten. Erspart wurde ihm dadurch der Anblick seines in wenigen Jahren heruntergewirtschafteten Lebenswerks.

Nach der Wiedervereinigung konnte nach jahrelangem juristischen Kampf die Gärtnerei wieder in Betrieb genommen werden.

Durch umfangreiche Investitionen wurde der völlig veraltete und heruntergewirtschaftete Betrieb wieder in Schwung gebracht.
Jahrzehntelang war Asche, Schutt und jeder Abfall aufgeschüttet und dünn mit Erde bedeckt worden. Erst nachdem 100 Lastwagen Schutt abtransportiert waren, konnte aus der Wüste wieder ein blühendes Land entstehen.
Es wurde ein Mehrzweckhaus mit Wohnungen, Büros, Archiv, Aufenthalts- und Sozialräumen gebaut. Die Straßen wurden asphaltiert, sonst abgerissen, was nicht mehr zu retten war.

1993 konnte endlich auch wieder das Blumengeschäft im Leipziger Hauptbahnhof in eigener Regie übernommen werden. Der großzügige Umbau des Bahnhofs musste in Verkaufscontainern überstanden werden.

1997, mit Eröffnung der Hauptbahnhof-Promenaden, wurden die Geschäfte in der Ost- und Westhalle eröffnet und werden jetzt von der 6. Generation, Stephan und Jeanette Hanisch, mit großem Erfolg geleitet. Auch hier wurden wieder 35 Arbeitsplätze geschaffen.